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Trump gegen Un

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"Nordkorea sollte nicht noch mehr Drohungen in Richtung der USA aussprechen. Andernfalls werden sie es mit Feuer und Wut zu tun bekommen, wie es die Welt noch nie zuvor gesehen hat. Er (Kim Jong Un) hat sich sehr bedrohlich verhalten, jenseits eines normalen Schritts. Und wie ich bereits sagte, sie werden es mit Feuer, Wut und offen demonstrierter Macht zu tun bekommen, wie es die Welt noch nie zuvor gesehen hat."

Donald Trump, 8. August 2017

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Donald Trump und Kim Jong Un sind auf Kollisionskurs. Ihre Kriegsrhetorik wird immer bombastischer, immer riskanter. Mit den jüngsten Drohungen schüren sie Angst vor dem Atomkrieg. Wie konnte es soweit kommen?

Der Konflikt zwischen den beiden Mächten gärt seit Jahrzehnten. Die USA und die internationale Gemeinschaft haben einige Versuche gestartet, das nordkoreanische Atomprogramm zu stoppen. Seit 2009 liegen diese Gespräche auf Eis.

Mit Kim Jong Un wuchs die Hoffnung auf Entspannung. Das Gegenteil ist der Fall. Seit seiner Amtseinführung ist Donald Trump auf jede Provokation des nordkoreanischen Diktators mit noch größerer Furore eingegangen. Kim und Trump führen ihre Länder in eine Eskalationsspirale.

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Dass Trump nicht zimperlich mit Nordkorea sein will, daraus hat er nie einen Hehl gemacht. Schon im Jahr 1999 erklärte Donald Trump in einem Fernsehinterview, dass er als US-Präsident einen Präventivschlag anordnen würde.

In der Sendung "Meet the Press" enthüllt Trump seine Sicht auf Nordkorea. "Dieses Land ist irre", sagt Trump. "Und es zieht los, um Atomwaffen zu entwickeln." Wenn Verhandlungen nicht fruchteten, solle "man das Problem lieber früher als später lösen", so Trump.

Seit seinem Amtseintritt stößt Trump auf Twitter immer wieder direkte Drohungen gegenüber Kim Jong Un aus. Diese Kriegsrethorik hat dafür gesorgt, dass die Gefahr eines Atomkriegs laut Atomwissenschaftlern höher ist als während der Kubakrise.

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Im Juli testete Kim Jong Un die bisher größte
Bedrohung für die USA: die KN-14. Die neue
Generation Interkontinentalraketen fliegt
bis 10.000 Kilometer weit. Die KN-14
könnte damit Europa und das US-Festland
erreichen und soll sogar Nuklear-
sprengköpfen tragen können. Damit
ist Kim Jong Un militärisch weitaus
erfolgsreicher und aggressiver als
Vater und Großvater. 

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2. Januar 2017
Trump tweetet: "Nordkorea hat gerade bekannt-gegeben, dass es kurz davor ist, Atomwaffen zu entwickeln, die die USA erreichen können. Das wird nicht passieren!"

Februar bis April 2017
Nordkorea führt fünf Raketentests durch.

April 2017
Am 9. April kündigt Trump an, "eine Armada" zu schicken und beordert den Flugzeugträger USS Carl Vinson in koreanische Gewässer. Dieser kommt Ende April dort an.

Am 13. April warnt Japans Premier Shinzo Abe davor, dass Nordkorea Raketen mit Saringas bestücken könnte.

Am 14. April zünden die USA die größte nichtnukleare Bombe, die "Mother Of All Bombs", in Afghanistan.

Am 15. April feiert Nordkorea den Geburtstag von Kim Jong Un mit einer großen Militärparade. Der erwartete sechste Atomtest bleibt aus.

Mai 2017

Nordkorea führt drei Raketentests durch.

Am 1. Mai ist das THAAD-Raketenabwehrsystem in Südkorea einsatzbereit.

Juni 2017

Am 2. Juni beschließt der UN-Sicherheitsrat einstimmig Sanktionen gegen Nordkoreas Nuklear- und Raketenprogramm.

Am 8. Juni führt Nordkorea einen Raketentest durch.

Am 19. Juni stirbt der US-Student Otto Warmbier, nachdem er aus der Haft in einem nordkoreanischen Arbeitslager entlassen wurde.

Juli 2017

Am 4. Juli, dem amerikanischen Unabhängigkeitstag, testet Nordkorea erstmals erfolgreich eine Interkontinentalrakete, die nuklear bestück werden und das US-Festland erreichen können. Am 28. Juli startet Pjöngjang einen weiteren erfolgreichen Test dieser Rakete.

August 2017

Am 5. August beschließt der UN-Sicherheitsrat einstimmig Sanktionen gegen Nordkorea, darunter Ausfuhrverbote für Kohle, Blei, Fisch und Meeresfrüchte. Erstmals ist stimmt auch China Einschnitten gegen Nordkoreas Wirtschaft zu.

Am 7. August bekräftigt Nordkorea, an seinem Atomprogramm festzuhalten. Der japanischen Regierung zufolge steht das Land kurz davor, über Nuklearsprengköpfe zu verfügen.

Am 8. August droht Donald Trump der Regierung von Kim Jung Un mit „Feuer und Wut“.

Kim Jong Un antwortet mit der Drohung, die US-Pazifikinsel Guam anzugreifen.

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Die Zahlen, die zu Nordkoreas Militär bekannt sind, klingen beeindruckend. Es scheint, als träfen zwei Riesenarmeen aufeinander. Der Eindruck täuscht. Nordkoreas Militär ist veraltet. Die Panzer stammen teilweise aus den Fünzigern, die Kampfjets aus den Achtzigern. Unter Wasser hingegen ist Nordkorea stark: Mit über 70 U-Booten und vielen Hundert Schiffen ist die Marine eine der größten der Welt.

Über Nordkoreas chemische und biologische Kampfstoffe ist wenig bekannt. Laut Zahlen der International Crisis Group könnte Kim Jong Un über bis zu 5000 Tonnen verfügt. Das ist genug, um Hunderttausende Menschen in Südkorea zu töten.

Bisher hat Nordkorea fünf Atomwaffentests durchgeführt. Japans Regierung warnt nun davor, Kim Jong Un könnte neuerdings über nukleare Miniatursprengköpfe verfügen. Andere Experten sehen Nordkorea noch Jahre entfernt von eigenen Atombomben.

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Und was nun? Es gebe keinen Grund für schlaflose Nächte, sagt US-Außenminister Rex Tillerson.
Tatsächlich helfen die wüsten Drohungen Trumps der Welt ebenso wenig weiter wie die in Europa üblichen Warnungen vor einem Säbelrasseln.

Rund um Nordkorea wird alles immer schlimmer. Quer durch Asien blüht der Nationalismus, die Interessen Chinas und Russlands könnten sich bald überkreuzen – und just in diesem Moment zeigen sich die USA als Macht, wie sie die Welt nie gesehen hat: in einem sehr seltsamen, zerfahrenen Zustand.

Der US-Präsident wirkte unsortiert, als er vor laufenden Kameras seine Hassrede zu Nordkorea hielt. So fallen die USA als Führungsmacht aus.

Gewiss, ein amerikanischer Präsident kann an den Punkt geraten, an dem er mit Gewalt droht. Sogar der friedliebende Jimmy Carter tat dies, im Jahr 1980, mit Blick auf den Persischen Golf. Von einer Carter-Doktrin war fortan die Rede. Ronald Reagan legte fest, dass es bei Staaten, die Terror fördern, einschlägt – 1986 vernichtete er mit dieser Begründung Libyens Luftwaffe am Boden. Der Rest der Welt mochte diese Politik jeweils begrüßen oder bedauern, sie war jedenfalls deutlich kommuniziert und Teil einer Strategie.

Trump indessen bietet der Welt statt Klarheit nur diffuse Kraftmeierei. Es ist heute nicht mal sicher, wer in Washington über Krieg und Frieden entscheidet. Auf drei Schlüsselpositionen sitzen Ex-Militärs: Verteidigungsminister, Sicherheitsberater, Stabschef im Weißen Haus.

Wenn es Trump einfiele, alle innenpolitischen Probleme vom Tisch zu fegen, indem er einen Krieg anzettelt, hätten diese drei wohl ein Vetorecht. Ob das zu besseren Entscheidungen führen würde, ist fraglich.

von Matthias Koch



Redaktion: Ann-Kathrin Seidel, Fabian Wenck
Videos: Agnieszka Krus

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Übersicht

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Kapitel 1 Startseite

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Kapitel 2 Einführung

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Kapitel 3 Trumps Denkweise

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Kapitel 4 Kims Raketen

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Kapitel 5

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Kapitel 6 Das Jahr der Eskalation

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Kapitel 7

Milit%c3%a4rische st%c3%a4rke.klein
Kapitel 8 Und was nun?

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